Heimat

Heimat. Ich habe über die Blogparade gelesen, habe ein paar Artikel gelesen, habe gedacht “Dazu muss ich auch etwas sagen!”. Und dann gedacht “Das mache ich demnächst mal.”. Heute also kann ich noch und es ist gut so, dass ich erst heute etwas schreibe, denn mir sind in den letzten Wochen noch einige Facetten aufgefallen.

Zuerst einmal unterscheide ich “Heimat” nicht von “zuhause”. Glaube ich. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass ich da, wo ich aktuell wohne, mich zuhause und heimisch fühle. Da, wo ich geboren und aufgewachsen bin, fühle ich mich keines von beidem. Ich wohne da nicht, ich lebe da nicht. Mein Lebensmittelpunkt ist hier, es gibt wenig, was mich an andere Orte zieht. Also, selbstverständlich zieht mich mein Beruf an viele andere Orte, aber dann ist hier mein zuhause. Hier, das ist in Bremen. Ich liebe die Stadt und meine Wohnung und dass ich mich hier auskenne. Ich fühle mich selten deutsch (im Ausland fühle ich mich manchmal europäisch), aber ich fühle mich bremisch. Ich kenne viele Leute aus anderen Ländern, die stolz sind auf ihr Land. Die sagen “My country is beautiful.” und die mir etwas davon zeigen wollen. Deutschland als ganzes Land ist mir zu fremd, ich finde manches schön und manches nicht. Es funktioniert, ich mag im Großen und Ganzen das politische System (verglichen mit anderen Ländern), aber das ist nichts Emotionales. Heimat ist emotional! Heimat ist, anderen etwas zeigen zu wollen, voller Stolz. “Das hier ist meine Heimat!” Bremen möchte ich Fremden zeigen. Aber meistens kommt es gar nicht so gut rüber, denn was ich habe und teilen möchte, ist größtenteils emotional. Zwar sind die Häuser schön, auf die ich dann verweise, aber darum geht es eigentlich nicht. Ich denke, ich fühle mich hier zuhause, weil ich hier zum ersten Mal seit langem… wie soll ich sagen… ein normales Leben geführt habe. Oder überhaupt angefangen habe, ein eigenes Leben zu haben. Glücklich war. (Natürlich war ich auch schon wahnsinnig unglücklich in dieser Stadt, aber es war alles so normal.) So kommt es dann also dazu, dass ich Fremden versuche, Bremen aus meiner Perspektive zu zeigen. Ich sage “Da, guck!” und freue mich total und bin irgendwie auch stolz (auch wenn ich gar nichts damit zu tun habe, wie einige Viertel aussehen), aber es mag ein wenig befremdlich wirken. Doch das ist Heimat, behaupte ich. Etwas unsinnigerweise zu lieben. So viele Leute bezeichnen etwas als wunderschön oder doch zumindest charmebehaftet, lieben einen Ort oder eine Gegend, der oder die genau genommen nicht viel hat oder kann. Sie zeigen es mir, voller Stolz, und sagen “Das hier ist meine Heimat! Schön, oder?” und ich denke “Hm. So spannend ist das ja nicht.”. Das Gefühl, dort glücklich gewesen zu sein oder zu sein… das macht es vielleicht aus.

Doch es ist noch etwas mehr. Heimat ist mehr als Orte. Auch Menschen können Heimat sein und -das habe ich gestern erst festgestellt- auch Essen. Anscheindn geht es jedem Seefahrer so, dass er irgendwann von Essen träumt. Ich dachte erst, ich wäre verrückt, doch bis jetzt berichteten viele Leute von etwas Ähnlichem. Unabhängig davon, wie das Essen an Bord schmeckt, träumt man doch von etwas ganz Bestimmtem und malt sich aus, was man alles essen wird, wenn man wieder zuhause ist. Etwas Gewohntes. Vielleicht auch etwas Emotionsbehaftetes. Jetzt im Urlaub habe ich selten das Gefühl, Heimat zu essen, selbst wenn ich vorher davon geträumt habe. Nur die Unerreichbarkeit mancher Speisen macht sie so erstrebenswert, doch es ist mehr als “Das kann ich nicht haben, deswegen möchte ich es.”. Es ist genau so ein Gefühl wie “Ich möchte mal wieder an der Weser im Gras sitzen.” oder “Ich möchte in meinem eigenen Bett schlafen.”. Es ist ein bisschen Sicherheit, vielleicht auch ein bisschen Spießigkeit.

Überhaupt, apropos Spießigkeit: Teilweise gehört auch sowas zu “Zuhause” bzw. “Heimat”. Tatort gucken. Fenster putzen. Ich weiß nicht genau, irgendwie habe ich mir das teilweise gewünscht an Bord. Ganz normale Sachen machen! (Natürlich war Fenster putzen nun nicht die erste Aktivität, die ich zuhause ausgeführt habe. Es hat drei Monate gedauert…)

Noch etwas? Ja. Dass “zuhause” vielleicht doch immer einfach der nächste Bezugspunkt ist und sich damit doch von “Heimat” unterscheidet. Denn es ist so: Wenn ich an Bord bin und dann an Land gehe mit irgendwem, wird das “Lass uns zurückgehen zum Schiff.” ausgedrückt durch “Let’s go home!” und manchmal bemerkt man es, dass “home” doch eigentlich das andere ist. Das, wo die Familie wartet und nicht die Kollegen. Manchmal wird es einfach so akzeptiert, dass “home” nun auch an Bord ist, wo man schlafen wird und einige Monate verbringen. “Home” ist also relativ, ich würde es allerdings nicht unbedingt mit “zuhause” übersetzen. Oder ist es doch die nächstbeste Übersetzung? Und gibt es “Heimat” überhaupt im Englischen?

Habe ich eine definitive Antwort? Nein. Habe ich viel verwirrtes und verwirrtes Zeug geschrieben? Ja. Heimat ist wichtig, Heimat ist ein Gefühl. Heimat sind Orte und Traditionen und Menschen und etwas, worauf man stolz ist. Heimat ist, wohin man gerne zurückkehrt.

2 thoughts on “Heimat

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